Requiem

„Requiem“ ist nach Sons of Sissy die zweite Zusammenarbeit von dem Choreografen Simon Mayer und dem, aus Salzburg stammenden Jazz- und Volksmusiker und Komponisten Matteo Haitzmann. Basierend auf der Idee eines Requiems, erarbeiten die beiden Künstler ein Solostück für Matteo Haitzmann, zudem die beiden die Musik, das Konzept und Bewegungsmaterial entwickeln. Wie in allen bisherigen Stücken von Simon Mayer spielen Musik und Geräusche, die durch Kostüme, Bewegung oder Requisiten der Performance entstehen, eine wesentliche Rolle und werden ähnlich wie eine Symphonie durchgehend komponiert. Der Tänzer wird dadurch zum Musiker und der Musiker zum Tänzer. Geige und Drehleier werden durch elektronische Sounds und Loops live bearbeitet und verstärkt.Als musikalische Grundlage dient die Struktur eines Requiems, welche 1545 festgelegt und seitdem nur noch geringfügig verändert wurde. Die mit dem Ablauf des Requiems in Verbindung stehende katholische Messe wird als szenische und dramaturgische Inspiration verwendet. All das soll jedoch aus seiner Opulenz geholt werden und sich auf den einen Menschen konzentrieren, da auch der Tod etwas sehr Intimes ist. Haitzmann und Mayer versuchen sich dieser ursprünglich überladenen Form des Requiems aus einer reduzierten Haltung zu nähern und untersuchen, was dabei entstehen kann und was ein zeitgenössisches Requiem sein könnte.
Simon Mayer bringt in diese Produktion auch sein langjähriges Interesse und seine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Totenrituale aus anderen Traditionen, Religionen und Teilen der Welt ein. Er lässt sich dabei von schamanischen Ritualen, Exorzismen und Zeremonien der Naturvölker und Stämmen inspirieren.Themen, welche im direkten Zusammenhang mit dem Tod oder einem Requiem stehen werden aufkommen und verarbeitet: Anfang und Ende, Auferstehung und Transzendenz. Die Transformation durch den Tod steht dabei als Qualität im Mittelpunkt. Als zentrales Element für diese Transformation steht die Erde - sie nimmt das Tote auf und gibt gleichzeitig neues Leben, sie nährt und transformiert und zeigt uns dabei das Neues entstehen kann, wenn wir Altes loslassen. Durch dieser Qualität des Loslassens kommt ein weiteres sehr wesentliches Thema in diese Arbeit: die Überwindung von Kategorien, sexuellen Identitäten, Vorurteilen und Annahmen, die uns Menschen voneinander trennen und entfernen. Das Requiem und die Transformation des Performers durch die Erde dienen im Stück als performative Symbole für eine Wiedergeburt ohne Kategorien.Matteo Haitzmann und Simon Mayer kreieren dieses Stück für alle Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identifikation beschimpft, ausgeschlossen, verfolgt, gefoltert, getötet und in den Tod getrieben wurden und werden. Requiem versteht sich neben dem als ein Zeremonie in der die Qualitäten des Sterbens – Loslassen, Hingabe und die Öffnung für Neues - gefeiert werden.
 
Künstlerische Leitung / Kompografie: Simon Mayer
Performer: Matteo Haitzmann
Live Sound: Sixtus Preiss
Idee & Konzept: Simon Mayer, Matteo Haitzmann
Musik & Sound: Matteo Haitzmann, Sixtus Preiss
Dramaturgie: Robert Steijn
Licht Design: Sabine Wiesenbauer
Kostüm / Set Design: Romain Brau
Recherche: Manuel Wagner
Produktion: Kopf hoch/Anna Erb
 
Eine Koproduktion von Kopf hoch und brut Wien, unterstützt von der Kulturabteilung der Stadt Wien und BKA Kunst Dank an Lukas Froschauer, MA48, Gessnerallee Zürich, Griessnerstadl, Arbeitsplatz Wien